Präanalytik

Der Begriff Präanalytik beschreibt die Gesamtheit der administrativen und praktischen Prozesse der Gewinnung und Aufarbeitung, der Lagerung und des Transports eines labormedizinischen Untersuchungsmaterials vor der Durchführung des eigentlichen Labortests.

Diese Prozesse beginnen nicht erst mit der Probennahme, z.B. der Blutentnahme, sondern schon mit der ärztlichen Entscheidung, eine Laboruntersuchung zu veranlassen, mit dem Ausfüllen der Laboranforderung und der Vorbereitung des Patienten (Diät, gegebenenfalls Absetzen von Medikamenten) und mit dem Erkennen möglicher Einfluss- und Störgrößen und deren Mitteilung an das Labor.

Viele Faktoren können bereits vor der eigentlichen Analyse im Labor das Messergebnis eines Tests beeinflussen und damit Fehldiagnosen oder Fehlinterpretationen Vorschub leisten.

Das richtige Material und die richtigen Abnahmebedingungen sind Voraussetzung für einen validen Messwert.

Hinweise zu einzelnen Parametern finden Sie auch in unserem Leistungsverzeichnis.
Wenn Sie Fragen haben, helfen Ihnen gerne unsere Ansprechpartner weiter.

Hinweise speziell zur Präanalytik in der Mikrobiologie finden Sie hier.

1. Material zur Probenentnahme und Probentransport

Die für die Probenentnahme und den Probentransport notwendigen Materialien wie Blutentnahmeröhrchen mit ggf. verschiedenen Zusätzen (siehe Tabelle), Abstrichmaterialien, sterile Probengefäße sowie die zugehörigen Anforderungsscheine und die Transportmaterialien werden vom Labor zur Verfügung gestellt.

Laboruntersuchungen, für die besondere Transportbedingungen notwendig sind, haben wir unter Punkt 5. zusammengestellt.

Farbcodierung für die Blutentnahme
Probenmaterial Vacutainer®/Vacuette® (internationaler Farbcode) Sarstedt Monovette®/Kabevette® 
Serum (f. Blutgruppen) rot (braun) weiß 
Serum (mit Trenngel) goldgelb (braun/schwarz) braun 
EDTA-Blut violett rot 
Citrat-Blut (1+9, für Gerinnung) hellblau grün 
Citrat-Blut (1+4, für BSG) schwarz violett 
ThromboExact   magenta 
Heparin-Blut (Lithium) orange orange 
Fluorid (NaF, evtl. + Oxalat) grau gelb 

Für die mikrobiologischen Untersuchungen stehen entsprechende Entnahme- und Transportmaterialien, ggf. mit Zusätzen zur Stabilisierung zur Verfügung. Abstriche für die molekularbiologische Erregerdiagnostik mittels PCR sollten als trockene Abstriche keine Zusätze enthalten.

Bei Fragen zum Probentransport und zu den Transportbedingungen stehen wir Ihnen gerne mit unseren jeweiligen Ansprechpartnern zur Verfügung.

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2. Probenkennzeichnung/Anforderungsscheine

Die eindeutige Kennzeichnung aller entnommenen Proben und der dazugehörigen Anforderungsscheine ist zur fehlerfreien Identitätssicherung erforderlich. Jedes Probengefäß muss mit Vor- und Nachname, Geburtsdatum des Patienten gekennzeichnet sein (für immunhämatologische Bestimmungen wie die Ermittlung der Blutgruppe muss nach den gültigen Richtlinien eine eigens für diese Untersuchung entnommene Probe vorhanden sein). Bei Stimulationstesten oder Tagesprofilen ist zusätzlich die Angabe der Entnahme-Uhrzeit auf dem Probengefäß und dem Anforderungsschein erforderlich, bei Verlaufskontrollen ist die Angabe des Entnahmedatums wichtig.

Für die jeweiligen Fragestellungen stellt das Labor die dazugehörigen notwendigen Anforderungsscheine zur Verfügung. Hier sollte neben den Angaben zur klinischen Symptomatik, der Diagnose, Medikation und relevanten Fragestellungen auch Datum und Uhrzeit der Probenentnahme dokumentiert werden. Dieses ist für die Beurteilung der Probe bei der Probenannahme im Labor von Bedeutung. Zu den Einsenderangaben gehört auch die Unterschrift des einsendenden Arztes, ggf. die Unterschrift der die Probe entnehmenden Person.

Bei Fragen stehen Ihnen gerne unsere Ansprechpartner zu Verfügung.

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3. Probenentnahme

In diesem Abschnitt finden Sie wichtige Hinweise zur Blutentnahme, der Entnahme von Untersuchungsmaterial für die mikrobiologische Diagnostik sowie der Probengewinnung für weitere Untersuchungsverfahren.

Blutentnahme unter Standardbedingungen

Jede Blutentnahme bedingt eine Verletzung von Blutgefäßen (Arterien, Venen, Kapillaren). Es darf nur einwandfreies und steriles Material eingesetzt werden. Für die Blutentnahme stehen entsprechende Einmalartikel zur Verfügung. Für die Punktion sollten nicht zu feinlumige Kanülen verwendet werden. Die venöse Blutentnahme sollte an geeigneter Stelle im Bereich der Ellenbeuge, des Unterarmes oder des Handrückens erfolgen. Die bestehenden Einflussfaktoren sind zu berücksichtigen.

  • Standardblutentnahme möglichst morgens zwischen 08.00 Uhr und 09.00 Uhr nach einer Nüchtern-Periode von ca. 12 Stunden, 3 Stunden kein Zigaretten rauchen.
  • Umgebungstemperatur ca. +18°C bis +30°C einhalten, der Patient sollte mindestens 10 Minuten sitzen oder liegen.
  • Möglichst keine Entnahme aus einem bereits liegenden Verweilkatheter. Wenn keine andere Möglichkeit besteht, sollte etwa das 10fache des Totvolumens des Katheters vorab entnommen werden.
  • Staubinde etwa eine Handbreit herzwärts der Punktionsstelle anlegen, Staudruck zwischen 50 und 100 mm Hg (Puls bleibt fühlbar), Stauzeit ca. 1 Minute, KEIN Faustschluss.
  • Auswahl der Punktionsstelle und Desinfektion mit zugelassenen Substanzen, Einwirkzeit 30 – 60 sec.
  • Punktion in Verlaufsrichtung der ausgewählten Vene unter leichter Spannung der Haut entgegen der Strichrichtung (Schliffrichtung der Kanüle nach oben zeigend), kein Öffnen und Schließen der Faust
  • nach erfolgreicher Punktion Stauung lösen und Blutentnahmen nach folgender Reihenfolge:
     1. Blutkulturen
     2. Nativblut (Serum)
     3. Citratblut (Gerinnungsuntersuchungen)
     4. Heparinblut
     5. EDTA-Blut (Hämatologie)
     6. Fluoridblut
  • nach erfolgloser Punktion Stauung sofort lösen, erneuter Versuch möglichst am anderen Arm oder notfalls handwärts der Punktionsstelle.
  • Punktionsstelle nach Entfernen der Kanüle ausreichend lange (ca. 5 Minuten) mit einem Tupfer unter ausreichendem Druck verschließen
  • alle Blutröhrchen mit Zusatz unmittelbar nach der Entnahme mehrmals (ca. 8x) überkopf mischen (nicht schütteln).
  • Vollständiges Beschriften der Proben/korrekte Barcodierung überprüfen.
Einflussfaktoren bei der Blutentnahme (Auswahl)

Hier sind eine Reihe bekannter Einflussfaktoren auf Untersuchungsergebnisse zusammengestellt, die vor der Blutentnahme beachtet werden sollten.

Einflussfaktor Einfluss 
Rauchen Anstieg der Leukozyten, Adrenalin, Glukose, Aldosteron, Cortisol, freie Fettsäuren, CEA 
Alkohol Erhöhung der Leberenzyme, Verminderung von Folsäure 
Morphine Erhöhung von Amylase, Lipase, GOT, GPT, AP, Bilirubin, Gastrin, Prolaktin 
Cannabinoide Erhöhung von Natrium, Kalium, Harnstoff, Chlorid, Insulin; Verminderung von Kreatinin, Glukose, Harnsäure 
mehrtägiges Fasten Verminderung von Glukose; Erhöhung von Natrium, Kalium, Bilirubin 
Tagesrhythmik siehe Tabelle unten 
starke körperliche Belastung 45 Minuten nach einem Marathonlauf Anstieg von CK, GOT, Bilirubin, Harnstoff, Harnsäure, anorg. Phosphat, Glukose, Albumin, Calcium 
Stauzeit Veränderung bei Verlängerung auf 3 Minuten von Albumin (-2%), Bilirubin (+8%), Cholesterin (+5%), Kreatinin (-9%), Eisen (+7%), Glukose (-9%), GGT (-10%), Kalium (-5%), Lipase (+5%), Protein (+5%)
Laboruntersuchungen mit tagesrythmischen Schwankungen

Viele Laboruntersuchungen zeigen im Tagesverlauf typische Schwankungen.

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4. Probenlagerung/Probentransport

Nach der Probenentnahme wird das gewonnene Untersuchungsmaterial für den Transport ins Labor vorbereitet und gegebenenfalls bis dahin gelagert. Für die Zwischenlagerung bis zum Transport ist auf das Einhalten geeigneter Bedingungen zu achten. Bei Anforderungen von Laboruntersuchungen mit kritischen Transportbedingungen sollte das Untersuchungsmaterial direkt nach der Entnahme entsprechend gelagert werden.

Bei Abholung der Proben durch den Boten- und Kurierdienst des Labors erfolgt der Transport nach den jeweils vorgegebenen Bedingungen unter Beachtung aller gesetzlichen Vorschriften. Wenn das Untersuchungsmaterial auf einem anderen Weg (z.B. Postversand) ins Labor gelangen soll, sind die hierfür geltenden Regelungen zu beachten.

Bei Fragen wenden Sie sich bitte an unsere Ansprechpartner.

Probenlagerung für die Routineuntersuchungen
Probenmaterial Empfohlene Lagerungsbedingungen 
Serum (alle Untersuchungen) Kühlschrank (+2 - +8°C) 
EDTA-Blut (Blutbilduntersuchungen, HLA B-27/HLA-Typisierung, Lymphozytendifferenzierung) Raumtemperatur 
EDTA-Blut (Viruslastbestimmung, z.B. HIV) Kühlschrank (+2 - +8°C) 
Citrat-Blut/ -Plasma (Gerinnungsuntersuchungen) Raumtemperatur bis ca. 6 Stunden, ggf. Plasma einfrieren (< -18°C) 
Abstriche (Mikrobiologie, Molekularbiologie) Raumtemperatur 
Blutkulturen (Nachweis von Erregern) Raumtemperatur 
Liquor (mikrobiologische Untersuchung) Raumtemperatur, sofortiger Transport ins Labor 
Liquor (immunologische Untersuchungen) Kühlschrank (+2 - +8°C) 
Urinproben (alle Untersuchungen) Kühlschrank (+2 - +8°C) 

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5. Laboruntersuchungen mit besonderen Transportbedingungen

Für eine Reihe von Laboruntersuchungen ist die Einhaltung spezieller Transportbedingungen für eine zuverlässige Untersuchung notwendig.

Zur besseren Orientierung haben wir Ihnen eine Auswahl zusammengestellt.

Bei Rückfragen stehen Ihnen gerne unsere Ansprechpartner zur Verfügung. Einzelheiten zur jeweiligen Untersuchung finden Sie auch in unserem Leistungsverzeichnis.

Tiefgefroren (ca. -20°C) einzusenden:
Untersuchungsparameter Probenmaterial Bemerkungen
ACTH EDTA-Plasma  
ADH  EDTA-Plasma  
Adrenalin EDTA-Plasma/24-h-Urin angesäuert  wenn Transportzeit > 4h 
Aldosteron Serum  
Ammoniak EDTA-Plasma bei 2-8°C möglich, wenn Transportzeit < 2h 
Angiotensin II EDTA-Plasma  
C1-Esterase-Inhibitor-Aktivität Citrat-Plasma  
Calcitonin EDTA-Plasma/Serum  
cAMP EDTA-Plasma/Urin  
Dopamin im Urin 24-h-Urin angesäuert wenn Transportzeit > 4h 
Gastrin Serum  
Gerinnungsfaktoren Citrat-Plasma  
Glucagon EDTA-Trasylolplasma  
Heparin (Anti-Xa) Citrat-Plasma  
Histamin Urin, Heparinblut, EDTA-Plasma  
Interleukine EDTA-Plasma/Serum auch bei 2-8°C möglich 
sIL-2-R (lösl. IL-2-Rezeptor) Serum auch bei 2-8°C möglich 
Insulin Serum auch bei 2-8°C möglich 
Katecholamine Plasma/Urin Plasma auch bei 2-8°C, wenn Transportzeit < 4h 
Lupusantikoaguans Citrat-Plasma  
Malondialdehyd EDTA-Plasma/Heparin  
Metanephrin im Urin 24-h-Urin angesäuert wenn Transportzeit > 4h 
Noradrenalin EDTA-Plasma/24-h-Urin angesäuert wenn Transportzeit > 4h 
Normetanephrin im Urin 24-h-Urin angesäuert wenn Transportzeit > 4h 
Osteocalcin Serum  
Parathormon Serum / EDTA-Plasma  
Protein C-Aktivität Citrat-Plasma  
Protein S-Aktivität Citrat-Plasma  
Renin direkt EDTA-Plasma  
Serotonin Plasma/Serum/24-h-Urin angesäuert  
Somatomedin C (IGF I) Serum  
VIP EDTA-Plasma  
Vitamin D Serum   
Lichtgeschützt einzusenden:
Untersuchungsparameter Probenmaterial 
Beta-Carotin Serum 
Bilirubin Serum
Porphyrine Urin, EDTA-Blut, Stuhl, Serum 
Pyridinoline Urin 
Vitamine A, B (alle), E, K Serum, EDTA-Plasma/-Blut
Sammelurin einzusenden:
Analysen, die nur mit Säurezusatz durchgeführt werden können Analysen, die aus angesäuertem Urin durchgeführt werden können Analysen, die nur ohne Säurezusatz durchgeführt werden können 
Oxalat Calcium pH
VMS Magnesium Chlorid
Katecholamine anorgan. Phosphat Osmolalität
5-HIES Natrium Harnsäure
  Kalium Urinstatus
  Harnstoff Urinsediment
  Kreatinin Amylase
  Glukose Protein
  Porphobilinogen Albumin
  d-Aminolaevulinsäure Myoglobin
    Porphyrine
    Cortisol
    Aldosteron
    Pyridinoline
    Spurenelemente (Spezialgefäß!)

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6. Probenaufbewahrung nach der Untersuchung

Probenaufbewahrung allgemein
Die zu untersuchenden Proben werden im Labor in der Regel 14 Tage im Kühlraum aufbewahrt.

Probenaufbewahrung bei mikrobiologischen Untersuchungen
Mikrobiologische Proben werden im Allgemeinen für interne Kontrollzwecke 7 Tage aufbewahrt.

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