Infektionsschutzgesetz (IfSG) und Meldepflicht

Vorbeugung, frühzeitige Erkennung und Verhinderung der Weiterverbreitung von übertragbaren Krankheiten

Nach § 1 hat das Gesetz zur Verhütung und Bekämpfung von Infektionskrankheiten beim Menschen (Infektionsschutzgesetz - IfSG), "übertragbaren Krankheiten beim Menschen vorzubeugen, Infektionen frühzeitig zu erkennen und Ihre Weiterverbreitung zu verhindern".

Eine Übersicht über wichtige Teilaspekte haben wir für Sie hier zusammengestellt. Dieses ersetzt jedoch nicht den zugrunde liegenden Gesetzestext, so wie er in den entsprechenden Organen (insbesondere Bundesgesetzblatt, Bundesanzeiger) veröffentlicht wurde.

Im Rahmen der Umsetzung des IfSG kommt dem Robert Koch-Institut in Berlin eine besondere Bedeutung zu. Hier sind auch weitergehende Informationen im Hinblick auf das Infektionsschutzgesetz aktuell verfügbar. Hier erhalten Sie auch aktuelle Informationen über die Falldefinitionen, die durch die Gesundheitsbehörden der Länder per Länderverordnung ausgeweitet werden können.

  • Namentliche Meldung für Krankheiten nach § 6 IfSG
  • Namentliche Meldung für Krankheitserreger nach § 7 IfSG
  • Nichtnamentliche Meldung für Krankheitserreger nach § 7 IfSG

Namentliche Meldepflicht von Krankheiten (§ 6 IfSG)

Meldung innerhalb von 24 Stunden nach Kenntnis erforderlich (siehe auch §§ 8-11 IfSG)

Namentliche Meldung bei Krankheitsverdacht, Erkrankung sowie Tod an:

  • Botulismus
  • Cholera
  • Diphtherie
  • humaner spongiformer Enzephalopathie, außer familiär-hereditärer Form
  • akuter Virushepatitis
  • enteropathischem hämolytisch-urämischen Syndrom (HUS)
  • virusbedingtem hämorrhagischen Fieber
  • Masern
  • Meningokokken-Meningitis oder -Sepsis
  • Milzbrand
  • Poliomyelitis (als Verdacht gilt jede akute schlaffe Lähmung, außer wenn traumatisch bedingt)
  • Pest
  • Tollwut
  • Typhus abdominalis/Parathyphus

Namentliche Meldung bei Erkrankung und Tod:

  • behandlungsbedürftige Tuberkulose (auch ohne bakterologischem Nachweis)

Namentliche Meldung bei Krankheitsverdacht und Erkrankung an:

  • mikrobielle Lebensmittelvergiftung bzw. akute infektiöse Gastroenteritis, wenn Umgang mit Lebensmitteln (§ 42 IfSG) bzw. zwei oder mehrere gleichartige Erkrankungen mit epidemischem Zusammenhang auftreten

Namentliche Meldung bei:

  • Verdacht einer über das übliche Ausmaß einer Impfreaktion hinausgehenden gesundheitlichen Schädigung
  • Verletzung eines Menschen durch eine tollwuterkranktes. -verdächtiges oder -ansteckungsverdächtiges Tier sowie das Berühren eines solchen Tieres oder Tierkörpers
  • Auftreten einer bedrohlichen Erkrankung oder Auftreten von zwei oder mehr gleichartigen Erkrankungen mit epidemischem Zusammenhang (wahrscheinlich, vermutet), wenn Hinweis auf eine schwerwiegende Gefahr für die Allgemeinheit und Krankheitserreger als Ursache in Betracht kommen, die nicht in § 7 genannt sind.
  • Verweigerung oder Abbruch einer notwendigen Behandlung bei behandlungsbedürftiger Lungentuberkulose

Nichtnamentliche Meldung als Ausbruch bei:

  • gehäuftes Auftreten nosokomialer Infektionen mit wahrscheinlichem oder vermuteten epidemischen Zusammenhang

Namentliche Meldung des Nachweises von Krankheitserregern (§ 7 IfSG)

Meldung innerhalb von 24 Stunden nach Kenntnis erforderlich (siehe auch §§ 8-11 IfSG)

Namentliche Meldung des direkten oder indirekten Nachweises von Krankheitserregern bei Hinweis auf eine akute Infektion bei:

  • Adenoviren (nur direkter Erregernachweis im Konjunktivalabstrich)
  • Bacillus anthracis
  • Borrelia recurrentis
  • Brucella species
  • Campylobacter species (darmpathogen)
  • Chlamydia psittaci
  • Clostridium botulinum oder Toxinnachweis
  • Corynebacterium diphtheriae, Toxin bildend
  • Coxiella burnettii
  • Cryptosporidium parvum
  • Ebolavirus
  • Escherichia coli, enterohämorrhagische Stämme (EHEC)
  • Escherichia coli, sonstige darmpathogene Stämme
  • Francisella tularensis
  • FSME-Virus
  • Gelbfiebervirus
  • Giardia lamblia
  • Haemophilus influenzae (nur direkter Nachweis aus Liquor und Blut)
  • Hantaviren
  • Hepatitis A-Virus
  • Hepatitis B-Virus
  • Hepatitis C-Virus (soweit nicht eine chronische Infektion bekannt ist)
  • Hepatitis D-Virus
  • Hapatitis E-Virus
  • Influenzaviren (nur direkter Nachweis)
  • Lassavirus
  • Legionella species
  • Leptospira interrogans
  • Listeria monocytogenes (nur direkter Nachweis aus Liquor, Blut und normalerweise sterilen Substraten, Abstrichen von Neugeborenen)
  • Marburgvirus
  • Masernvirus
  • Mycobacterium leprae
  • Mycobacterium tuberculosis/africanum, bovis (direkter Erregernachweis, Ergebnis der Resistenzbestimmung sowie vorab Nachweis säurefester Stäbchen im Sputum)
  • Neisseria meningitidis (direkter Nachweis aus Liquor, Blut, hämorrhagischen Hautinfiltraten und normalerweise sterilen Substraten)
  • Norwalk-ähnliches Virus (direkter Nachweis aus Stuhl)
  • Poliovirus
  • Rabiesvirus
  • Rickettsia prowazekii
  • Rotavirus
  • Salmonella Paratyphi (alle direkten Nachweise)
  • Salmonella Typhi (alle direkten Nachweise)
  • Salmonella, sonstige
  • Shigella species
  • Trichinella spiralis
  • Vibrio cholerae O 1 und O 139
  • Yersinia enterocolitica, darmpathogen
  • Yersinia pestis
  • andere Erreger hämorrhagisches Fieber

Nichtnamentliche Meldung des Nachweises von Krankheitserregern (§ 7 IfSG)

Meldung innerhalb von 2 Wochen nach Kenntnis erforderlich (siehe auch §§ 8-11 IfSG)

Nichtnamentliche (anonyme) Meldung des direkten oder indirekten Nachweises von Krankheitserregern bei:

  • Treponema pallidum (Lues, Syphilis)
  • HIV
  • Echinococcus species
  • Plasmodium species (Malaria)
  • Rubellavirus (NUR bei konnatalen Infektionen)
  • Toxoplasma gondii (NUR bei konnatalen Infektionen)

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